Missionsverein

100 Jahre Missionsverein & Vereinshaus Hermesdorf  2013

 

Der Missionsverein feierte am 08.09.2013 sein 100-jähriges Bestehen. Wie es vor hundert Jahren zur Gründung des Vereins kam, danach haben wir in den Protokollbüchern geforscht 

Seit 1906 bestand im Privat-Haus von Peter Meiswinkel eine Sonntagschule, die immer mehr Zuspruch erhielt. 1912 wurden die Räumlichkeiten zu klein, da sie von mehr als sechzig Kindern besucht wurde. Am 30. Dez. 1912 wurde darum eine Versammlung einberufen, die dazu dienen sollte, geeignete Räumlichkeiten für diese Arbeit zu finden. In dieser Versammlung wurde beschlossen: 

  • ein Vereinshaus zu bauen und
  • dazu einen Missionsverein zu gründen.

1913 ist das Jahr vor dem Ersten Weltkrieg, ein Jahr voller Aufbruch und Energie. Das war wohl auch in Hermesdorf so, denn schon Anfang Januar 1913 wurde dieser Verein gegründet und eine Satzung erstellt. 

Mitglied konnte werden, wer die Ziele des Vereins unterstützt und „Wer einmal jährlich einen Beitrag nicht unter einer Mark bezahlt. Als Ziele bezeichnet die erste Satzung: „Lust und Liebe zu Gottes Wort und wer sich bestrebt, einen „Gott wohlgefälligen Wandel“ zu führen, an den Versammlungen teilzunehmen und andere mit herzubringen“

Der 5-köpfige Vorstand, das waren Peter Meiswinkel, Karl Gries, Carl Wirths, Wilhelm Hermes und Wilhelm Hahn, ging zielstrebig ans Werk und sammelte Spenden, lies Baupläne erstellen und suchte ein Grundstück.

Heinrich Meiswinkel  stellte unentgeltlich das Grundstück zur Verfügung.

2.917 Mark waren für den Bau aufzubringen. Stolze 2.132 Mark waren durch Spenden der Mitglieder und Förderer zusammengekommen. Für den offenen Rest, 768 Mark, wurden durch ungenannte Spender zinslose Darlehen gegeben, die bis 1919 zurückgezahlt wurden. „Durch des Herrn Hilfe hat es niemals an den nötigen Mitteln gefehlt“ – so ist es im ersten Protokollbuch vermerkt. Diese Feststellung gilt übrigens bis heute!!! 

Am 17. August 1913 war das Vereinshaus am Geininger Weg in Hermesdorf „soweit fertig, dass es eingeweiht werden konnte“. Der neue Versammlungsraum hatte auf beiden Seiten je 3 Fenster. 

Zur Einweihung wurden nach der Ansprache von Pastor Meiswinkel auch Grußworte teils in Reimform vorgetragen. Karl Braun aus Grünenbach z. Bsp. reimte: »In frührer Zeit war unser Ort - verschlossen ganz für Gottes Wort.  Heut jubelt mancher froh entzückt: - „Mich hat mein Jesus hoch beglückt“ 

1914 begann der erste Weltkrieg. Ein Gründungsmitglied, Otto Wirths aus Geiningen, kam 1915 dabei ums Leben. 

Im Frühjahr 1918 gründete der lebensbedrohlich erkrankte Robert Schenk den Jünglingsverein in Hermesdorf, die Geburtsstunde des heutigen CVJM. 

1923 kam die Inflation. Vom Februar 1923 bis Januar 1924 gab es aus diesem Grund vorübergehend keine Kasse mehr.

Das neue Vereinshaus wurde gegen Ende der 20-iger Jahre zu klein, so das man seit 1931 bei größeren Veranstaltungen in die Turnhalle ausweichen musste, die der Turnverein Hermesdorf zur Verfügung stellte. 

Auch in den Jahren der Hitler-Diktatur wurde die Vereinsarbeit weitergeführt, darüber wurden im Protokollbuch aber kaum Angaben gemacht. 

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg verstarb der Vorsitzende Karl Gries im Mai 1945. Für ihn wurde am 22.07.1945 Walter Adolphs zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der Vorstand wurde gleichzeitig auf 9 Mitglieder erhöht.

Im Januar 1946 erklärt sich Bruder Heinerich Meiswinkel bereit, die an das Vereinshausgrundstück anstoßende Parzelle auf dem die Dreschhalle steht, an das Vereinshaus abzutreten. Die Dreschmöglichkeit soll erhalten bleiben. 

Für die wachsende Vereinsarbeit wurde über Erweiterungen am Vereinshaus nachgedacht. Am Vereinhaus konnte 1951 der erweiterte Bau in Benutzung genommen werden. Ein weiterer Versammlungsraum war hinzugekommen, der als Bühne genutzt werden konnte und darüber war eine Hausmeisterwohnung errichtet worden. 

Es hat auch Rückschläge in der Vereinsarbeit gegeben. In der Generalver­sammlung am 26. Februar 1956 musste der Vorsit­zende darauf hinweisen, das auch im Oberbergischen Vereinshauskreise innerlich nicht mehr lebensfähig seien und einige ihre Häuser verkaufen.

In den Bibelstunden dienten in dieser Zeit die Brüder des Evangelischen Brüdervereins, des Oberbergischen Gemeinschaftsvereins und der Evan­gelischen Gesellschaft für Deutschland.

Vereinsarbeit hatte ohne Zusammenarbeit mit der Kirche keine Zukunft mehr!

Am 17.10.1954 hielt Pastor Günther - zunächst probe­weise - den ersten Gottesdienst im Vereinshaus. Die erste kirchliche Trauung fand am 25.5.1956 statt. Nachdem Pfarrer Ulrich Sticherling den Bezirk übernahm, wurde die Zusammenarbeit weiter intensiviert.

Im Januar 1961 beantragte der Vorstand beim Pres­byterium der Kirchengemeinde die Einrichtung eines zweiten regelmäßigen Gottesdienstes im Monat.

Vorsitzende wie Otto Wirths und Paul Schenk sowie weitere Vorstandsmitglieder waren auch gleichzeitig Mitglieder im Presbyterium. Dadurch hat sich die enge Verbindung zur evangelischen Kirche Waldbröl immer weiter vertieft. 

Im April 1969 verstirbt plötzlich der Vorsitzende Walter Adolphs, für ihn wird Otto Wirths zum Vorsitzenden gewählt. 

Ende der 60-iger Jahre wurde auch die Dreschhalle zum Jugendheim umgebaut. Die Mehrzweckhalle mit dem angrenzenden Jugendraum ist bis heute Heimat der Jungscharen und hat als überdachter Bolzplatz, in dem man auch mal laut sein darf, Generationen von Kindern Freude bereitet. 

Im Herbst 1985 wurde erneut über die Möglichkeit nachgedacht, zusätzliche neue Jugendräume im Vereinshaus  zu schaffen und Versammlungsräume zu erweitern und gleichzeitig eine neue Hausmeisterwohnung zu errichten. Auch die sanitären Einrichtungen waren nicht mehr zeitgemäß. Auf der Grundlage eines 1. Vorentwurfs vom Erwin Schmidt wurde die Planung von Architekt Alfred Dohrmann weitergeführt und der Bau vorangetrieben. Für diesen damals ca. 60 Mitglieder umfassenden Verein eine Mammutaufgabe. 

Im Februar 1987 wird Paul Schenk zum Vorsitzenden gewählt, nachdem Otto Wirths auf eigenen Wunsch sein Amt niederlegt hatte.

Paul Schenk hat das Bauvorhaben in vollem Vertrauen auf Gottes Unterstützung und im steten Gebet vorangetrieben und wir haben dabei auch Gottes Führung erlebt! „Wir wurden gelenkt! Es gab einen „roten Faden“ – das haben wir gespürt. Diese Führung und Fügung kann hier nicht im Einzelnen berichtet werden, aber das Gott mit uns war, davon bin ich zutiefst  überzeugt!

Am 16.10.1991 wurde die Einweihung des neuen Anbaus und der renovierten Räume gefeiert. Der Vorsitzende Paul Schenk begrüßte zahlreiche Gäste und drückte seinen Dank aus und betonte, dass Jesus Christus der Mittelpunkt dieses Hauses bleiben müsse.

Mit Fertigstellung der Umlagen wurden ca. 750 Tausend DM investiert. Dass ca. 3 Jahre später keine Schulden mehr auf dem Verein lasteten, das darf ohne Übertreibung als Wunder und Gottes Fügung bezeichnet werden. 

Einige Jahre später wurde dann auch noch einmal die als Jugendheim dienende Dreschhalle gründlich renoviert. Heute dürfen wir uns über gut in Stand gehaltene Häuser freuen, dafür sind wir Gott von Herzen dankbar! Unsere Hausmeisterehepaare Knall und derzeit Elvira und Viktor Reis haben daran einen gehörigen Anteil. 

Im April 1994 wird Dieter Adolphs zum Vorsitzenden gewählt, nachdem Paul Schenk das Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat. 

Mit dem „Ostergerten“ haben wir in den letzten Jahren ein neues „Highlight“ begonnen, das sicher seine Fortsetzung findet. Jeweils mehr als 1500 Besucher haben sich darauf eingelassen, den letzten Weg Jesu in verschiedenen Stationen mitzugehen. Viele haben uns im Gästebuch in bewegenden Worten beschrieben, was sie dabei an Emotionen empfunden haben. Diese Rückmeldungen treiben uns an, auch zukünftig wieder den Ostergarten aufzubauen und das Ostergeschehen lebendig werden zu lassen. 

Blättert man in den Protokollbüchern des Missionsver­eins findet man noch zahlreiche Hinweise auf die Geschichte des Hauses wie z.B. vom Jungmädchenverein, vom Posaunenchor, zu Berichten vom ersten Posaunenfest der oberbergischen Posaunenchöre 1921 beim Ver­einshaus.

Bei einer Evangelisation kam es 1930 zu einer Erweckung. Hieraus entwickelte sich die Gründung eines Gemischten Chores. Ein Lautenchor folgte nach.

Einige Namen sind in diesem Rückblick genannt, zahllose andere Namen wären zu nennen. Das würde den Rahmen sprengen. Wir sind dankbar für das Engagement der vielen Männer und Frauen, die sich um diese Häuser und die Vereinsarbeit verdient gemacht haben!!! 

Besonders wichtig ist noch der Hinweis auf den CVJM, der hier mit viel Engagement die Jugendarbeit durchführt  und damit einen ganz besonders wichtigen Beitrag für die Zukunft leistet. Die Zusammenarbeit der beiden Vereine war und ist immer herzlich. Der Vorsitzende des CVJM ist gem. Satzung berufenes Mitglied im Vorstand des Missionsvereins. Die Zusammenarbeit von alt und jung darf ohne Übertreibung über Jahrzehnte als hervorragend bezeichnet werden.

Hat es in den Jahren auch viel Menschlich-Allzumen­schliches gegeben, ist doch der

§ 13 der alten Sat­zung in Acht geblieben: »Wir stellen unseren Verein unter den Schutz unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, ohne dessen Beistand all unsere Mühe und Arbeit vergeblich ist«.

Wir können nur darum beten, das dieser HERR den Dienst des Vereins weiter segnen möge, auch zum Segen für unseren  ganzen Ort.

Aufgestellt

Hermesdorf den 08.09.2013

 

Schriftführer                        1. Vorsitzender

Werner Adolphs                  Dieter Adolphs